An diesen Tagen feiern wir Yodas zweiten Geburtstag. Wir wissen nicht genau wann unsere Katze geboren wurde, wir können nur vermuten, dass es irgendwann Mitte Juni war. Wir haben Yoda in einem Busch gefunden, als sie noch nicht sehen, stehen oder selbständig essen konnte.

Wer wissen will, wie Yoda ein Teil unserer Familie wurde und was man machen sollte, wenn man ein kleines hilfloses blindes Kätzchen findet, sollte unbedingt diesen Post lesen.

Im Juni 2017 waren wir wie jedes Jahr mit dem Auto von Barcelona nach Galizien unterwegs. Galizien ist eine wunderschöne Region im Nord-Westen Spaniens, wo die Eltern von Manuel ein kleines süßes Ferienhäuschen haben und wo wir jedes Jahr einen Urlaub auf dem Land verbringen. Die Besitzer wohnen 3-4 Wochen im Jahr im Haus, den Rest der Zeit steht es leer. Mehrere Katzen wohnen ungestört im Hof und vermehren sich (leider) regelmäßig.

Nach 10 Stunden Fahrt kamen wir an einem Samstagabend um 22 Uhr endlich im kleinen Dorf Lucenza an. Zu dieser Zeit war ich im siebten Monat hochschwanger und hatte bereits einen riesigen Bauch. Als wir gerade ausgestiegen sind, hörten wir lautes Quietschen und Winseln aus einem Busch. Wir suchten alles ab und fanden sofort ein kleines schwarz-weißes und halbblindes Kätzchen, keine 10 Tage alt. Ganz allein, von der Mama keine Spur! Uns ist erstmal nichts Besseres eingefallen, als uns im Haus zu verstecken, das Licht vom Hof auszumachen und darauf zu warten, dass sich die Mutter des Kätzchens zeigt. Wenn man im siebten Monat schwanger ist und 10 Stunden Fahrt hinter sich hat, will man eigentlich nur ins Bett, aber die Hormone und der Mutter-Instinkt waren natürlich stärker! Während das kleine Baby im Busch weinend nach seiner Mama rief, heulte ich mir im Haus die Augen aus. Manuel verstand: das Kätzchen wird heute nicht alleine draußen schlafen.  Entweder würden wir es retten oder ich würde mich dazu legen.

Aber was macht man mit einem kleinen verwaisten Katzenbaby, wenn das Dorf tief und fest schläft, das nächste Tierheim 100 KM entfernt ist und es bereits nach Mitternacht ist?

Es gibt Vereine, auch in Spanien, die sich um verwaiste Tiere kümmern, die kann man im Internet, beispielsweise bei Facebook finden. Wir haben mehrere angeschrieben, zwei schrieben zurück, der erste Verein schrieb klip und klar: „wenn ihr die Katze nicht zu euch nimmt, wird sie die Nacht nicht überleben“, das war quasi alles… etwas makaber für einen Tierverein dachten wir uns.

Mit dem zweiten Tierschutzverein hatten wir mehr Glück: bringt die Katze zu uns, wir geben Euch Futter und Medikamente um das Kätzchen über Nacht zu versorgen und zu behandeln.

Im Grunde war es auch garkein richtiger Verein, sondern einfach eine sehr nette Familie, die sich den streunenden und verletzten Tieren der Nachbarschaft gewidmet hat und die sich regelmäßig um zahlreiche Katzen und Hunde bei sich zuhause kümmern. (Anmerkung: Leider ist der Tierschutz in Spanien nicht so stark wie in Deutschland und viele Tiere werden einfach so ausgesetzt oder am Straßenrand zurückgelassen).

Da „unsere“ Fund-Katze aber ein vereitertes Auge hatte, würde sie die anderen Tiere anstecken. Also musste sie vorerst bei uns bleiben. Außerdem war das Haus schon voller Tiere und kürzlich waren noch mehrere Welpen hinzugekommen. Die beste Lösung war also, die Katze über nacht zu pflegen, zu füttern und Medikamente gegen das vereiterte Auge zu geben. Sie haben uns wirklich alles gezeigt was man machen muss und uns spezielle Katzenmilch gegeben (Achtung: Kuhmilch kann zu Durchfall bei kleinen Kätzchen und zum Tod führen).

Während der Fahr lagt das Kätzchen auf meinem Schoß, es war kalt und still. Ich schätze, dass es ein paar Stunden später tot gewesen wäre, wenn wir es nicht mitgenommen hätten.

Das nette Paar erklärte uns, was man mit dem Katzenbaby machen soll, damit es überlebt:

  1. Alle 2-3 Stunden aus der Pipette mit einer speziellen Katzenmilch füttern. Ja, auch nachts. Die Milch der Kuh darf man den kleinen Katzen-Babys auf gar keinen Fall geben! Viele Menschen machen genau diesen Fehler, wenn sie Katzenbabys finden: sie versuchen den Kätzchen Kuhmilch zu geben und die Katzen trinken diese. Später können diese aber Probleme mit der Verdauung bekommen und sterben.
  2. Da kleine Katzen die Wärme selbst nicht speichern können, muss man sie warm halten. Wir bauten ein kleines Häuschen aus mit heißem Wasser gefüllten Flaschen und warmen Decken. Oben drüber legten wir noch eine Wärmflasche. Alle 3-4 Stunden wärmten wir das Wasser in den Flaschen auf oder tauschten es aus.
  3. Kätzchen können nicht selbst Pipi und Kacka machen. Die Mama Katze leckt sie normal ab, damit sie sich entleeren können. Deswegen muss man dem neugeborenen Kätzchen regelmäßig mit einem feuchten Tuch den Popo und die Genitalien abwischen, damit sie Geschäft ausüben können. Wenn man das nicht macht, wird das Kätzchen höchstwahrscheinlich Probleme kriegen.
  4. Wegen des entzündeten Auges mussten wir der Katze Antibiotika geben, zudem trugen wir eine Salzwasserlösung auf ihr vereitertes Auge auf und pflegten es stündlich

Mit diesen Instruktionen, einer Tasche voller Versorgungsproviant und mit dem Verständnis dass die Überlebenschance der Katze bei 25% liegt (und durch das vereiterte und entzündete Auge noch eine 50:50 Change, dass sie ihr Auge verliert), kehrten wir ins Haus zurück.

Die Nacht war nicht einfach. Wir stellten uns den Wecker und standen alle 2 Stunden auf um nach dem Kätzchen zu schauen, es zu füttern und zu pflegen. Wir haben hier quasi schon einmal gut für die Zeit nach der Geburt unseres Kindes geübt.

Am nächsten Tag stellten wir das Kätzchen in einer Kiste auf den Hof, in der Hoffnung dass die Mama-Katze es wiederfindet und mit nimmt. Ein paar Katzen kamen vorbei, schauten sich das Baby an, keine nahm es aber mit. 24 Stunden lang kümmerten wir uns um das Katzen-Baby: fütterten es, wärmten es, putzten es und gaben es Medikamente. Danach gaben wir es der Pflegefamilie ab, die Yoda einen Monat lang großgezogen hat. Es war ein mühsames Unterfangen: die Katze musste alle 2-3 Stunden gefüttert, abgeputzt, das Auge mit Medikamenten versorgt werden.

Aber Yoda hat für ihr Leben gekämpft und hat überlebt!

Da ich immer eine Katze haben wollte und Manuel ständig damit nervte, sagte er nach einigen Wochen, als wir schon wieder in Barcelona waren: „Du, ich glaube wir sollten Yoda adoptieren, du wolltest schon immer eine Katze haben, aber in diesem Fall hat sie (die Katze) dich schon gefunden!“  

Lange Rede, kurzer Sinn, einen Monat später, brachte die Pflege-Familie Yoda zu uns nach Barcelona (sie hatten Verwandte in der Nähe). Wir haben schlussendlich entschieden, dass es ein Schicksal war, dass Yoda uns gefunden hat und haben Yoda adoptiert. Wir haben die Katze gut einen Monat vor der Geburt meiner Tochter bekommen, sie ist quasi unser „Erstgeborenes“ und ich liebe sie als wäre sie mein Kind. Yoda spielt so gern Fangen, bringt den Ball und springt zu mir ins Bett und miaut laut, wenn Mila im Nachbarzimmer weint. Sie alarmiert mich auf diese Weise. Sie ist sehr lieb und zärtlich und schenkt uns jeden Tag sehr viel Liebe. Ich glaube, sie ist sehr dankbar, dass wir ihr das Leben gerettet haben.

Yoda - unser Katzenbaby - Ankunft bei uns

Zur offiziellen Abwicklung der Adoption gab es übrigens auch einen Vertrag mit der Verpflichtung, dass wir Yoda kastrieren lassen würden (haben wir auch gemacht).

Habt Ihr ein Katzenbaby gefunden?

Im besten Fall solltet Ihr einen Tierarzt kontaktieren, damit Ihr die genauen Instruktionen und spezielle Milch und Medikamente bekommt. Junge Katzen müssen außerdem geimpft und entwurmt werden. Mit 5-6 Monaten werden sie kastriert.

Viele Menschen denken, dass die männlichen Katzen kastriert und die weiblichen sterilisiert werden. Das stimmt nicht ganz.

Was ist der Unterschied zwischen der Kastration und der Sterilisation?

Bei einer Sterilisation bleiben die Hoden beziehungsweise Eierstöcke der Tiere erhalten. Damit sie aber nicht zeugungs- oder empfängnisfähig bleiben, werden die Leitungsbahnen, sprich Samen- oder Eileiter, durchtrennt. Eine Befruchtung kann so nicht mehr stattfinden. Das heißt, dass sowohl Kater als auch weiblichen Katzen sterilisiert werden können. Die haben weiterhin Lust auf Sex, können aber keine Kätzchen zeugen – ideal für freilaufenden Katzen.

Bei der Kastration werden die Hoden bzw. die Eierstücke und die Gebärmutter entfernt und die Katze verspürt kein Verlangen mehr. Wenn die Katze im Haus bleibt und keine Chance hat, einen Partner zu treffen, sollte sie kastriert werden, damit sie nicht leidet. Unsere Yoda wurde mit 6 Monaten kastriert, kurz nachdem sie geschlechtsreif wurde. Seitdem haben wir keine Probleme mit ihr. Zudem soll dadurch die Lebenserwartung der Katzen gesteigert werden.

Warum habe ich den Post über Yoda verfasst? Habt keine Angst, Tiere aus den Tierheimen zu holen, kauft keine teuren überzüchteten Rassen. Es gibt so viele Tiere in den Tierheimen, die ein Zuhause und ein bisschen Liebe brauchen. Holt Euch so ein Tier und ihr werdet viel Liebe und Dankbarkeit erfahren.

Und lasst uns den Tierheimen helfen, selbst wenn wir uns kein Tier nach Hause holen können. Sie können jede helfende Hand und jeden Cent gebrauchen!

Yoda - unsere schwarz-weiße Katze
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